Auf dieser Website werden Daten wie z.B. Cookies gespeichert, um wichtige Funktionen der Website, einschließlich Analysen, Marketingfunktionen und Personalisierung zu ermöglichen. Sie können Ihre Einstellungen jederzeit ändern oder die Standardeinstellungen akzeptieren.
Cookie Hinweise Datenschutzregelung

Wie die Bremse eines Güterzugs funktioniert

Blog-img

01

Sep

Wie die Bremse eines Güterzugs funktioniert

Im Schienengüterverkehr kommt die sogenannte indirekte Druckluftbremse zum Einsatz. Über die durchgehende Hauptluftleitung (HLL) wird das gesamte Bremssystem mit einem Druck von standardmäßig 5,0 bar gefüllt.

  • Der Clou des Systems: Sinkt der Druck in der Leitung – sei es durch das Betätigen des Führerbremsventils durch den Lokführer oder durch eine Zugtrennung –, legen die Bremsen aller Waggons automatisch an.

  • Ausfallsicherheit: Fällt das System aus oder reißt eine Schlauchverbindung ab, bremst der Zug sofort selbstständig bis zum Stillstand.

Die Varianten der Bremsprobe

Je nachdem, was zuvor am Zug verändert wurde, schreibt das Regelwerk unterschiedliche Prüfverfahren vor:

  • Die volle Bremsprobe: Sie ist der umfassendste Check. Sie ist unter anderem Pflicht, wenn der Zug neu zusammengestellt wurde oder länger als 24 Stunden abgestellt war. Hierbei wird jeder einzelne Waggon im Verband zweimal abgelaufen: Einmal, um das feste Anlegen aller Bremsklötze oder -scheiben zu prüfen, und ein zweites Mal nach dem Lösen, um sicherzustellen, dass keine Bremse schleift oder festsitzt.

  • Die vereinfachte Bremsprobe: Sie kommt zum Einsatz, wenn nur einzelne Wagen umgestellt wurden, der Zug kurzzeitig getrennt war oder die Lok gewechselt wurde. Hierbei wird gezielt geprüft, ob die Bremswirkung bis zum letzten Wagen des Zuges durchgeht.

Menschliche Sinne treffen auf Präzision

Bei der Bremsprobe verlässt sich das Prüfpersonal auf ein Zusammenspiel aus visueller Kontrolle, Gehör und Haptik:

  1. Druckkontrolle: Über Manometer an der Lok oder am Prüfanschluss wird der korrekte Druckaufbau und eventuelle Druckverluste (Dichtigkeitsprüfung) überwacht.

  2. Sichtprüfung: Liegen die Bremssohlen formschlüssig an den Rädern an? Ziehen die Bremszylinder sauber an?

  3. Lösezustand: Nach dem Lösevorgang müssen die Beläge vollständig von der Lauffläche abheben, um Heißläufer durch festsitzende Bremsen während der Fahrt auszuschließen.

Das finale Signal zur Abfahrt

Erst wenn das Bremsensystem im gesamten Zugverband lückenlos funktioniert, der Zustand aller Bauteile einwandfrei ist und die Bremsberechnung (Ermittlung der Bremshundertstel) stimmt, wird der Bremszettel ausgefüllt. Mit der abschließenden Bremsbescheinigung erhält das Eisenbahnverkehrsunternehmen die Garantie: Dieser Zug kann jederzeit sicher anhalten.